Wenn man auf Social Media nach Akne und Skincare sucht, tauchen sehr schnell diese beiden Wirkstoffe auf: Tretinoin & Azelainsäure. Die Message: Beide in Kombination lassen Deine Akne verschwinden! Was bleibt, ist eine reine, glowy Haut. Klingt doch super, oder?
Aber was machen diese Wirkstoffe wirklich und warum kann diese Kombi sinnvoll sein? Das schauen wir uns jetzt gemeinsam an. Los geht's!
Tretinoin
Tretinoin ist ein Retinoid, welches vor allem die Verhornung der Haut beeinflusst und entzündungshemmend wirkt. Gehen wir dafür nochmal einen Schritt zurück: Das Problem bei Akne entsteht unter anderem durch eine verstärkte Verhornung und eine erhöhte Talgproduktion. Zu viel Talg, der durch die Verhornung nicht richtig abfließen kann, kann dann zu Entzündungen führen. Weniger Verhornung, der Talg kann besser abfließen, weniger Pickel, oder?
Tretinoin ist ein sehr wirksamer Wirkstoff, in Deutschland allerdings verschreibungspflichtig. Zudem sollte es in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da es potenziell teratogen ist und somit das ungeborene Kind gefährden kann. Nicht ohne Grund ist hier eine ärztliche Begleitung wichtig.
Azelainsäure
Auch Azelainsäure wirkt auf die Verhornung, ist aber vor allem entzündungshemmend und antibakteriell.[1] Sie wird außerdem in der Therapie der postinflammatorischen Hyperpigmentierung eingesetzt. Diese entsteht, wenn die Haut auf eine Verletzung mit einer vermehrten Pigmentbildung reagiert und der betroffene Bereich dadurch dunkler wird. Wie zum Beispiel bei Pickelmalen, die bleiben können, obwohl der Pickel schon längst verschwunden ist.
Azelainsäure ist bis 15 % nicht verschreibungspflichtig. Azelainsäure findest Du in Konzentrationen zwischen 10 % (kosmetisch) und 15–20 % (medizinisch, rezeptpflichtig). Das Beste daran: Azelainsäure ist sehr gut verträglich, auch für empfindliche Haut. Anders als viele andere Säuren macht sie die Haut nicht lichtempfindlicher und kann somit bei guter Verträglichkeit täglich angewendet werden.
Okay, jetzt sind die Wirkmechanismen aber irgendwie ähnlich, oder? Nicht so ganz. Sie können sich aber durchaus gut ergänzen! Die aktuellen Leitlinien unterstützen generell die Kombination topischer Therapien, also von Wirkstoffen, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.[2][3] Studien haben aber auch gezeigt, dass Tretinoin nicht besser ist als Azelainsäure. Es gab keinen großen Unterschied bei der Verbesserung der Akne.[4]
Was sagt die aktuelle Wissenschaft dazu?
Viele Studien haben gezeigt, dass die einzelnen Wirkstoffe bei Akne eingesetzt werden können.[5] Die Datenlage für genau diese Kombination ist allerdings noch begrenzt.
Aber Achtung! Nicht jeder sollte jetzt einfach beide Wirkstoffe direkt miteinander kombinieren. Dies könnte zu Irritationen, Trockenheit und einer geschädigten Hautbarriere führen. Und das kann die Behandlung der Akne wiederum negativ beeinflussen. Gerade bei Tretinoin ist die Verträglichkeit ein großes Thema.
Eine ältere Studie aus dem Jahr 1989 untersuchte beide Wirkstoffe. Die Gesamtverbesserung der komedonalen Akne (Komedonen = Mitesser. Das sind Talgdrüsen, welche durch abgestorbene Hautzellen, übermäßigen Talg und Bakterien verstopft sein können) war ähnlich. Azelainsäure wurde jedoch besser vertragen und verursachte weniger Nebenwirkungen.[6]
Nicht jede Akne braucht direkt einen neuen Wirkstoff. Manchmal braucht es ein besseres Verständnis des eigenen Musters.